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Der Eismann kommt

Im Markt bestehen durch Vertrauen

Der Eismann kommt

Im Markt bestehen durch Vertrauen

Porträt über Johannes von Rohr
von ZIEGRA Eismaschinen GmbH

Text: Claudia Schuh ; Bilder: Helge Krückeberg

Speiseeis gibt es hier leider nicht, obwohl es ein warmer Tag ist, als wir Johannes von Rohr besuchen. Was es aber gibt: Brucheis, Nuggeteis, fließendes Eis oder Scherbeneis – die sind zwar keine Delikatessen, dafür schön anzufassen und anzuschauen.

Wolfhard Schoder muss sich auch bei Außentemperaturen von 30 Grad warm anziehen: Sein Job ist die Qualitätskontrolle. Jede bei ZIEGRA produzierte Maschine unterliegt vor der Auslieferung an den Kunden seinem strengen Blick. Stimmt die produzierte Eismenge mit den Vorgaben überein? Haben die Eisstücke die richtige Form, Größe und Konsistenz? Zentnerweise Eis wird dabei in großen Edelstahltrögen gesammelt und schmilzt hinterher auf dem Hof.

"Dürfen wir uns für die nächste Party davon etwas zum Getränkekühlen holen?", fragen wir spontan. Johannes von Rohr kennt die Frage natürlich: "Bis zum Herbst 2019 gerne!" Denn dann bezieht das Unternehmen einen modernen Neubau in Kirchhorst, an dem die derzeit drei Produktionshallen und die Verwaltung zusammengelegt werden. "Dort werden wir das anfallende Eis zur Kühlung der Räume verwenden. Unser Architekt hat das extra für uns so konzipiert."

Weitsicht und Gelassenheit

Was Johannes von Rohr auszeichnet, ist nüchterne Weitsicht, gepaart mit norddeutscher Gelassenheit. Obgleich ZIEGRA für ihn ganz bestimmt eine Herzensangelegenheit ist, gelingt ihm immer wieder ein sachlicher Blick auf das Ganze, wie von außen. Vielleicht ist das einer der Lerneffekte aus den Jahren, die der Diplom-Kaufmann nach seinem Studium in anderen Unternehmen verbracht hat.

Denn für Johannes von Rohr war es keineswegs ausgemachte Sache, dass er ins Familienunternehmen einsteigen würde – ganz im Gegenteil: Frühzeitig bereits hatte er seinem Vater eine Absage erteilt. Die große, weite Welt der Konzerne lockte ihn zunächst mehr als der mittelständisch geprägte Hersteller von Eismaschinen.

Ihm wurde aber bald deutlich, wie einengend Konzernstrukturen oft sind – und wie groß im Vergleich dazu die Gestaltungsspielräume im Familienunternehmen. Er klopfte also wieder beim Senior an. Über 20 Jahre lang arbeiteten beide Seite an Seite. Seit 2007 ist Johannes von Rohr Gesellschafter des Unternehmens, seit 2012 alleiniger Geschäftsführer.

Das Feld bestellen

Nach seinen Zukunftsprojekten befragt, antwortet er: „Ich will das Feld bestellen für die nächste Generation.“ Es drängt sich die Frage auf, ob es dazu konkrete Pläne gibt, schließlich ist Johannes von Rohr mit 52 Jahren noch lange nicht im Rentenalter.

Seine drei Töchter sind 19, 21 und 23 Jahre alt. Ob sie einmal Interesse entwickeln, im Familienunternehmen tätig zu werden, wird sich zeigen. Der Vater jedenfalls wird es wie sein eigener Vater halten: kein Druck, kein Drängen, aber die Tür bleibt offen. In jedem Fall empfiehlt er seinen Töchtern, zunächst etwas von der Welt zu sehen, ihrem Herzen zu folgen. Ob am Ende eine der Töchter oder ein Außenstehender die nächste Generation bei ZIEGRA ist – Johannes von Rohr wird nichts übers Knie brechen.

Wenn er über Herausforderungen und Zukunftsprojekte spricht, dann ist zuerst von dem Neubau die Rede. Er wird auch ein äußeres Zeichen für den Wandel in der Unternehmenskultur sein. Die alten Gebäude aus den 50er-Jahren, verwinkelte Büros und Werkhallen aus der Nachkriegszeit, erfüllen zwar ihren Zweck, passen aber nicht zu jener Vision eines modernen Unternehmens, die den Geschäftsführer leitet. Der Neubau hingegen steht für Transparenz, Freiraum und kurze Wege.

Ganzheitliches Personalmarketing

"Der Neubau dient tatsächlich auch dazu, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen." Denn auch ZIEGRA spürt natürlich den Fachkräftemangel. "Wenn wir innovationsfreudige, gut ausgebildete Leute für uns gewinnen wollen, dann müssen wir ihnen Rahmenbedingungen anbieten, die ihren Vorstellungen von Arbeit entsprechen", weiß Johannes von Rohr. Und dazu gehört für die Vertreter der Generation Y unter anderem ein ästhetischer und mitarbeiterfreundlicher Arbeitsplatz.

Im Bereich der Produktentwicklung bedeutet Zukunftsfähigkeit vor allem nachhaltige Technologien: Mit Solarstrom angetriebene Maschinen sowie umweltfreundlichere Kühlmittel sind die nächsten Aufgaben, die der Markt bereithält. Die Maschinen, die zwischen einem Kubikmeter und einer Einzimmerwohnung an Rauminhalt beanspruchen, kommen beispielsweise in Großbäckereien, in der Fischverarbeitung, aber auch in Labors, Gastronomie oder Einzelhandel zum Einsatz.

"In Zukunft wollen wir das Eis da hinbringen, wo es benötigt wird", beschreibt der Geschäftsführer seine Vision. Dazu soll die Dienstleistung immer spezialisierter, der Service immer individueller, die Beratung immer anspruchsvoller werden.

Im Markt bestehen durch Vertrauen

Johannes von Rohr ist überzeugt, dass Vertrauen ein Schlüsselthema für den Erfolg von ZIEGRA ist: Mit zuverlässigem und qualifiziertem Kundenservice – neben der hohen Produktqualität natürlich – hat ZIEGRA sich das Vertrauen vieler Kunden weltweit verdient und ist inzwischen einer der führenden Player auf dem Weltmarkt für Eismaschinen.

Neben dem Vertrauen der Kunden spielt auch das Vertrauen der Mitarbeiter eine Rolle. Und schließlich beweist der Geschäftsführer immer wieder Vertrauen in sein Team, wenn er Verantwortung delegiert.

Sparkasse: Konzepte, die passen

Das Wort "Vertrauen" fiel im Gespräch mit Johannes von Rohr übrigens auch im Zusammenhang mit der Sparkasse Hannover. Bei der Übernahme der Anteile seines Onkels sei er mit einer sehr positiven Grundhaltung begleitet worden. Sein Vater habe bereits seit den 70er-Jahren mit der Sparkasse zusammengearbeitet.

"Aber dass man mir als Vertreter der nächsten Generation so vorbehaltlos Vertrauen entgegengebracht hat, das war schon etwas Besonderes." Nun ist die Sparkasse Hannover auch beim nächsten Schritt wieder mit dabei: dem Neubau des Firmengebäudes. "Meine Berater haben sich da proaktiv eingebracht, mit mir gemeinsam Konzepte entwickelt und eine Finanzierungsstruktur geschaffen, die zu uns passt", berichtet der Geschäftsführer.

"Man löst keine Probleme, indem man sie auf Eis legt." Dieses Zitat von Winston Churchill passt - im doppelten Sinne - zu Johannes von Rohr. Er gibt sich und anderen Zeit, aber verliert das Ziel nicht aus dem Blick.  

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