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EIN PLATZ FÜR KINDER

„In der Stunde, die ich mich mit Frau Ruoff unterhalten habe, war ich von ihrer Hingabe und Leidenschaft überwältigt. Es wirkt, als würde die Stiftung genau von diesem Herzblut leben.“
Mike Wonsikiewicz

MIT STRUKTUR UND
WÄRME GEGEN
TRAUMATISIERUNGEN

Es gibt Ereignisse, die ein komplettes Umdenken auslösen. Davon ist Johanna Ruoff überzeugt: Sie war nur wenige Hundert Kilometer entfernt, als der Tsunami 2004 in Südostasien eine Schneise der Verwüstung zog – ein Erlebnis, das in ihr den starken Wunsch weckte, sich gesellschaftlich zu engagieren. Eine Möglichkeit dafür hat sie in der Kinderhilfe gefunden. Seit 2005 finanziert sie mit ihrer Stiftung „Ein Platz für Kinder“ Projekte, die traumatisierten Kindern ein Zuhause bieten.

Frau Ruoff, eine der Einrichtungen, die Ihre Stiftung finanziert, ist in Groß-Buchholz. Mit welcher Art von Traumatisierungen kommen die Kinder zu Ihnen?
J. Ruoff: Bei uns sind Kinder mit einem Verdacht auf Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch, Kinderpornografie oder sonstiger seelischer und körperlicher Gewalt – das heißt beispielsweise, dass die Kinder eingesperrt wurden oder nichts zu essen bekommen haben. Die Jugendämter übermitteln die Kinder an uns mit dem Auftrag, die Vermutung intensiv und detailliert zu prüfen.  

Wie gehen Sie vor?
J. Ruoff: Wir zerren nicht an den Kindern, wir fangen nicht an zu therapieren. Wir drücken sozusagen auf die Pausentaste und sagen zu ihnen: Du darfst dich zeigen, wie du wirklich bist. Wir setzen dann die Diagnostikbrille auf und beobachten die Kinder in ihrem Alltag. Was die Kinder letztendlich bei uns präsentieren, ist teilweise nicht in Worte zu fassen. Sie schlagen, nässen und koten ein, bringen das Haus durcheinander. Sie zeigen sich eben, wie sie echt sind – und da muss man sie abholen. Teilweise haben wir Kinder, die ganz traurig sind und in sich gekehrt in der Ecke sitzen. Auf der anderen Seite gibt es viele, die ihre Wut von innen nach außen krempeln.

Wofür es bei Ihnen den „Wut- und Toberaum“ gibt.
J. Ruoff: Ja, Sie können sich gar nicht vorstellen, was Kinder für Kräfte entwickeln. Die haben einfach diesen extremen Überlebenskampf in sich drin. Der Wut- und Toberaum gibt die Möglichkeit, Aggressionen herauszulassen.  

EIN GEREGELTER TAGESABLAUF
GIBT ORIENTIERUNG

Mithilfe der Sparkasse Hannover konnten wir den Raum renovieren – was nach acht Jahren längst überfällig war. Dafür haben wir ein eigenes Konzept entwickelt: Bei uns befinden sich beispielsweise die Heizungen an den Decken und nicht mehr an der Wand und die Möbel haben keine Kanten – alles ist rund. Die Materialien lassen wir vorher im Labor auf Stabilität testen – für Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren wohlgemerkt. So arbeiten wir etwa auch mit Verbundglas. Eigentlich ist es ein Hochsicherheitstrakt.

Wie mildert man dieses Aggressionspotenzial?
J. Ruoff: Wenn die Kinder gehört und verstanden werden, dann mildert sich diese Aggressionsphase. Aber am Anfang wissen die Kinder gar nicht, was passiert. Es kommen junge Menschen zu uns, die sind im Alter von neun oder zehn Jahren aufgrund ihrer Traumatisierung nicht mal in der Lage, einen normalen Satz mit drei Wörtern zu sagen. Dagegen hilft einfach die Wärme, die in unserem Haus herrscht, und dass die Kinder bei uns einen geregelten Tagesablauf haben. Diese Struktur nimmt den Kindern Angst.

Können diese Kinder in ein „normales Leben“ zurückkehren?
J. Ruoff: Dadurch, dass so früh an den Traumata gearbeitet wird, besteht absolut eine hohe Chance, in normale Strukturen einzukehren. Die Kinder sind zwischen sechs und zwölf Monaten bei uns. In dieser Zeit gibt es ganz große Fortschritte, und das ist berührend mit anzusehen. Trotzdem haben wir die Kinder zu kurz, muss ich sagen. In anderen Ländern gibt es Konzepte, bei denen die Betroffenen eine Stabilisierungszeit von drei Jahren haben, als Vorbereitung auf das normale Schulsystem. Das ist meiner Meinung nach die Zukunft und unser Ziel.

„Ich denke, man kann sich nicht genug für Kinder einsetzen. Dadurch, dass wir traumatisierten Kindern ein Zuhause geben, schließen wir eine Lücke in der Kinder und Jugendhilfe. Früher waren wir immer eine kleine Wald- und Wiesenstiftung. Heute sind wir professionell und elf Jahre am Start. Dafür braucht es starke Partner.“
Johanna Ruoff, Stiftungsvorsitzende und Stifterin „Ein Platz für Kinder“

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hier lernen die Kleinen sich auf verschiedene Weisen auszudrücken.

Einfach wieder Kind sein können – das ist das Ziel der Stiftung.

Es erfordert viel Geduld und Sensibilität, Vertrauen aufzubauen.

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