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HÖLTY-PREIS

„Zugegeben: Lyrik ist nicht unbedingt mein Spezialgebiet. Die Gedichte, die Christoph Meckel bei der Preisverleihung vorgetragen hat, haben mich allerdings in ihren Bann gezogen. Er schafft eine schwermütige Atmosphäre und starke Bilder.“
Mike Wonsikiewicz

HÖLTY: UNBEKANNTER NAME,
HIPPES GENRE

Alle zwei Jahre wird in Hannover der Hölty-Preis verliehen. Er ist mit 20.000 Euro die höchstdotierte Auszeichnung für Lyrik im deutschsprachigen Raum. Aber Lyrik, das Dichten in Versform, spielt das im Jahr 2016 gerade bei jüngeren Leuten noch eine große Rolle? Und was hat es mit dem Namensgeber Hölty auf sich, vom dem ich zuvor noch nie gehört habe? Beim Kulturbüro Hannover finde ich Antworten.

„Denken Sie doch nur einmal an Poetry-Slams, wie viele junge Leute dort teilnehmen. Das ist doch ebenfalls eine Form von Lyrik“, sagt Dr. Benedikt Poensgen, Leiter des Kulturbüros, begeistert, als ich ihn provokativ nach der Relevanz von Lyrik frage. Ein überzeugendes Argument. Generell gäbe es einen Trend zu kürzeren Textformen, wie der jüngste Erfolg von komprimierten Romanfassungen zeige. „Und nächstes Jahr, 2017, wird Hannover sogar so eine Art Lyrik-Hauptstadt, wenn die Poetry-Slam-Meisterschaften hier ausgetragen werden“, führt Poensgen weiter aus, ohne an Begeisterung zu verlieren. Außerdem wäre die Kunstform Lyrik schon zu seiner Schulzeit verpönt gewesen und hätte als old-fashioned gegolten. Von daher gebe ich ihm Recht: Betrachtet man es von dieser Warte, erlebt die Lyrik sogar eine regelrechte Renaissance.

EIN UNTERSCHÄTZER LYRIKER

Ich frage mich allerdings, wieso ich als gebürtiger Hannoveraner vom Namensgeber des Preises noch nie etwas gehört habe. „Das ist keine Schande“, versichert mir der Leiter des Kulturbüros, „Ludwig Christoph Heinrich Hölty ist eine Person, die in der Stadt nur wenig wahrgenommen wird. Seine Vielzahl von Gedichten fand allerdings großen Anklang.“

So haben große Komponisten wie beispielsweise Mozart, Brahms und Schubert seine Gedichte vertont. Die regelmäßige Preisvergabe soll dieses Werk loben und den Namen Hölty ins Bewusstsein rufen. Hannover habe, literaturgeschichtlich gesehen, schon nicht sehr viele Namen mit großer Strahlkraft. Deshalb soll die Auszeichnung einem der großen Lyriker aus der Region huldigen und nachhaltig einen großen Kulturschaffenden mit der Stadt in Verbindung bringen. 

Ein Lebenswerk wird gewürdigt
2016 hat der 81-jährige Christoph Meckel diese Ehrung erhalten. „Meckel hat sich in seinem künstlerischen Schaffen eine große Autonomie bewahrt. Er ist eine starke, unangepasste Persönlichkeit, die sich nicht mit dem Zeitgeist bewegt und querdenkt. Aus diesen Gründen hat sich die Jury in diesem Jahr dazu entschieden, sein Lebenswerk auszuzeichnen“, erklärt Dr. Benedikt Poensgen die Entscheidung der fünfköpfigen Fachjury. In der offiziellen Begründung heißt es, Meckels Lebenswerk sei eine „ästhetische Subversion gegen jede Hierarchie und Routine“. Die Begründung von Dr. Poensgen fand ich da deutlich verständlicher. Ich bedanke mich bei ihm für das tolle Gespräch und freue mich auf die Preisverleihung in der Orangerie Herrenhausen.

„Lyrik ist eine Kunstform, die etwas auf den Punkt bringt, für Gedankenfreiheit steht und gleichzeitig große Freiräume bei der Interpretation bietet. Es gibt nur wenige Preise für diese literarische Gattung, wir haben uns deshalb mit dem Hölty-Preis bewusst dazu entschieden, ein Schlaglicht auf die Lyrik zu werfen.“
Dr. Helmut Poensgen, Leiter des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover

BEWUSSTE
ENTSCHEIDUNG
FÜR EINEN
LYRIK-PREIS

Ausgezeichnet! Christoph Meckel (mi.) erhält den Hölty-Preis für Lyrik.

Musikalisches Festprogramm für einen der wichtigsten deutschen Lyriker.

So viel Zeit muss sein: Der 81-Jährige signiert seine Werke.

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