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JUGENDCAMP

„Besonders beeindruckend fand ich die Leidenschaft, die die Camp-Teilnehmer sowie die Betreuer an den Tag legten. Die Amputation geriet in den Hintergrund und der Spaß in den Vordergrund.“
Timon Frahmann

"WIR VERGESSEN, DASS
WIR PROTHESE TRAGEN."

Ich betrete die Halle und werde Zeuge eines wilden Durcheinanders von Kindern, die lachend und spielend Sport treiben. In der einen Hallenhälfte sind Badmintonfelder aufgebaut. Kinder und Jugendliche rennen konzentriert, aber auch mit viel Spaß, den Badmintonbällen hinterher, die von einer Maschine geschlagen werden. Auf der anderen Seite verausgaben sich Teilnehmer des Camps in speziellen Sport- Rollstühlen beim Rollstuhl-Basketball. Ich höre die motivierten Rufe „Spiel ab!“ oder „Ich bin frei!“ quer durch die Halle.

Als ein Betreuer ruft: „Mittagspause!“, sind die Teilnehmer einerseits traurig, dass sie aufhören müssen, aber auch froh über die Essens- und Trinkpause. Sobald der Teller geleert ist, setzen sich die Ersten wieder in die Rollstühle. Die Action geht weiter.

Dies sind meine ersten Eindrücke des Jugend-Sommercamps, das wie ein übliches, gut ausgestattetes Feriencamp erscheint. Ich bin beim Jugendcamp für Kinder und Jugendliche mit Amputationen und Gliedmaßenfehlbildungen in der Region Hannover.

Das Ferienlager fand 2016 zum zweiten Mal statt, organisiert vom Bundesverband für Menschen mit Arm- oder Beinamputation e. V . – und ich durfte als Schatzsucher der Sparkasse Hannover dieses Projekt besuchen und viele Eindrücke sammeln. Nicht nur die Teilnehmerzahl hat sich mit 47 fast verdoppelt, auch mehr Betreuer haben sich gefunden. Zur sportlichen Unterstützung reisten auch Sportler aus den deutschen und österreichischen Paralympics-Nationalteams an, um ihre Begeisterung zu teilen und Sportarten wie Para- Taekwondo, Badminton, Rollstuhlbasketball, Rollstuhlrugby, Judo oder auch Tanzen zu zeigen und zu lehren. 

HIER ENTSTEHEN FREUNDSCHAFTEN,
DIE DAS CAMP ÜBERDAUERN

Im Mittelpunkt des Camps steht auf jeden Fall der Spaß am Sport. Bei einem Besuch im Klettergarten, einer Kanufahrt oder beim Bubble Soccer wachsen die Kinder über sich hinaus. Sie lernen ihre Grenzen zu überwinden und neu zu definieren. Alle nehmen an jeder Aktivität teil. So kommt es dazu, dass Luisa* auf Beinstümpfen über zwei Stunden in bis zu 15 Metern Höhe im Kletterpark aktiv war. Dabei fühlen sich die Kinder und Jugendlichen hier sowieso ganz normal. „Wir vergessen, dass wir eine Prothese tragen.“ Das sagte mir eine Teilnehmerin. Die Umwelt vergisst es aber oft nicht. Besonders gut ist deshalb auch die hohe Anzahl an Betreuern mit Amputationen. Die Kinder merken, dass sie nicht außergewöhnlich sind.  

Viele Teilnehmer treffen zum ersten Mal auf Gleichaltrige mit Amputationen und Gliedmaßenfehlbildungen. Schon beim ersten Treffen 2015 – eine Europa-Premiere – entstanden Freundschaften, die das Camp überdauerten. Das Wiedersehen nach einem Jahr ist ein Fest. Die jungen Leute liegen sich in den Armen und freuen sich. Durch die gute Planung des Camps und die gemeinschaftlichen Aktivitäten werden alle neu dazugekommenen Teilnehmer schnell integriert. Die Stimmung ist von Tag eins an einfach grandios. Bemerkenswert: Im Camp kommt es nicht zu Gruppenbildungen. Jeder versteht sich mit jedem. Davon könnten andere lernen.

Auf meine abschließende Frage, was denn am besten gefallen habe, erhielt ich immer nur die eine Antwort: „Alles!“ Das ist wirklich besonders. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen sind von dem Camp begeistert – wieder haben viele ihre Kontaktdaten ausgetauscht –, auch die Eltern und Begleiter wollen nächstes Jahr wieder mitwirken.

Unmittelbar nach einer Amputation fühlt man sich wohl sehr eingeschränkt und zieht sich stark zurück. Das erzählten mir viele. Auch Benita, die vor zwei Jahren als Neunjährige bei einem Autounfall ihr Bein verlor, fand durch dieses Camp nicht nur neue Freunde, sondern auch ihre alte Lebensfreude wieder. Deswegen finde ich es so wichtig, dass Förderer wie die Sparkasse solche Projekte unterstützen.

Der Zeitraum für das nächste Jugendcamp steht bereits. Vom 26. Juli bis zum 2. August 2017 dreht sich hier wieder alles um Aktion und Sport.

* Die Namen der Teilnehmer sind erfunden, um ihre Privatsphäre zu wahren.

„Die organisatorischen Abläufe im Camp haben sich zum vergangenen Jahr verbessert. Aber auch die Kinder – die meisten waren ja schon letztes Jahr dabei – sind ein Stückchen erwachsener und offener geworden.“
Thory Wieben, Betreuerin

DIE KINDER LERNEN, IHRE GRENZEN NEU ZU DEFINIEREN

Und Action ...! Im Jugendcamp werden Handicaps schnell zur Nebensache.

Sport in Gemeinschaft schult Beweglichkeit und fördert Toleranz und Selbstbewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen.

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