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Von Lupenbrillen, Kantenfiltern und Orakeln

Griechisches Temperament, fundiertes Fachwissen und viel persönlicher Einsatz

Eleftheria Agorastou und ihr Unternehmen "Opticcor"

Von Lupenbrillen, Kantenfiltern und Orakeln

Griechisches Temperament, fundiertes Fachwissen und viel persönlicher Einsatz

Eleftheria Agorastou und ihr Unternehmen "Opticcor"

Text: Claudia Schuh; Bilder: Helge Krückeberg

Für Kreuzworträtsel oder zum Schminken

"Die Zukunft kann dieses Orakel leider nicht voraussagen", erklärt Eleftheria Agorastou lachend. Wir entdecken das "Orakel" in den Laatzener Geschäftsräumen von Opticcor. Es handelt sich dabei um ein Vorlesegerät für Menschen mit starker Sehschwäche. Auf diese Zielgruppe haben Eleftheria Agorastou und ihre Mitarbeiterinnen sich spezialisiert.

Die Kunden, die den Weg in das "Sehzentrum für vergrößernde Sehhilfen" finden, werden meist entweder von ihrem Augenarzt oder von einem Optiker geschickt. Viele von ihnen leiden an einer altersbedingten Makuladegeneration. Auch Augenerkrankungen etwa als Folge eines Diabetes oder von Verletzungen finden sich häufig. Die Folgen reichen von verminderter Sehkraft über Nachtblindheit, Schwierigkeiten beim Kontrastsehen oder Gesichtsfeldeinschränkungen bis hin zur völligen Erblindung. Aus Sicht von Frau Agorastou, selber Brillenträgerin, kein Grund zur Verzweiflung: "Den Menschen kann geholfen werden. Egal, ob sie die Sehhilfe für Kreuzworträtsel oder zum Schminken brauchen."

Seit inzwischen fast drei Jahren wird den Patienten bei Opticcor geholfen. Eleftheria Agorastou hat bis 2014 als Vertriebsleiterin bei einem heutigen Mitbewerber in Nordrhein-Westfalen gearbeitet. Von dort aus wagte sie den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit. "Das kann ich auch alleine, habe ich mir gesagt." Inzwischen hat die zielstrebige Hannoveranerin den Mitbewerber in Bezug auf die Sortimentsbreite und -tiefe überholt. Dass sie jetzt "in die eigene Tasche" arbeitet, ist dabei für sie nur ein Teil der Motivation. Ein wichtiger Aspekt für die Unternehmensgründung war auch die Möglichkeit, von Hannover aus zu arbeiten und dadurch mehr Zeit mit ihrem Mann und dem damals dreizehnjährigen Sohn zu verbringen.

Jenseits von Frauenklischees

"Ich bin davon überzeugt, dass Frauen anders gründen und Unternehmen auch anders führen als Männer." Hier meint Eleftheria Agorastou nicht nur die Prioritätensetzung zwischen Beruf und Familie. "Wir Frauen setzen uns auch andere Ziele. Der Gewinn steht nicht an erster Stelle. Wir denken viel in Werten und streben eher ein organisches Wachstum an." Die Opticcor-Chefin hatte sich zum Beispiel für 2017 das Ziel gesetzt, eine Mitarbeiterin einzustellen, die sie im Vertrieb unterstützen kann. Das ist ihr schon im ersten Quartal gelungen: Sie hat eine frühere Kollegin ins Boot geholt, die seit Anfang April für das Vertriebsgebiet Ostdeutschland zuständig ist. "Da wir schon früher zusammengearbeitet haben, wussten beide Seiten, worauf sie sich einlassen. Jetzt können wir richtig zusammen durchstarten", freut sich die dynamische Hannoveranerin mit griechischen Wurzeln.

Bemüht man ein Klischee, wenn man es als frauentypisch bezeichnet, dass für Eleftheria Agorastou die Stimmung in der Zusammenarbeit wichtig ist? – Da ist die Unternehmerin ganz entspannt: "Dass wir Frauen auch auf das Zwischenmenschliche schauen, bedeutet ja nicht, dass wir nicht rechnen können! Für uns sind die Zahlen genauso wichtig wie für männliche Unternehmer. Nur der Weg zu einer angepeilten Umsatzhöhe oder Mitarbeiterzahl ist eben ein anderer." Klare Zielvorstellungen hat Eleftheria Agorastou jedenfalls: "In fünf Jahren möchte ich mit Opticcor deutschlandweit vertreten sein; im Norden, Süden, Westen und Osten jeweils eine Filiale sollte es schon sein, insgesamt wären wir dann etwa 15 Leute."

Bestimmung gefunden

Was macht die Unternehmerin so zuversichtlich, dass sie ihre Ziele erreichen wird? Zum einen weiß sie einfach, was sie kann. Die Kombination aus medizinischen Kenntnissen – die Unternehmerin hat früher in einer Augenarztpraxis gearbeitet - und fundiertem Fachwissen aus dem optischen Bereich ist sicher eine gute Voraussetzung. Zum anderen fühlt sie sich gut unterstützt, nicht zuletzt vom GründerCenter der Sparkasse Hannover.

"Mit meiner Beraterin Stefanie Jakubka habe ich bis heute Kontakt, obwohl ich aus der Gründungsphase ja inzwischen raus bin. Sie hat mir damals den Gründungskredit verschafft und zahlreiche Kontakte vermittelt. Das war wirklich eine tolle Starthilfe, die ich da bekommen habe – geradezu ein Rundum-Sorglos-Paket!" Bis heute ist der Austausch zwischen Gründerin und Beraterin lebendig. "Ich kann Frau Jakubka immer anrufen, und vor wichtigen Geschäftsentscheidungen nutze ich diese Möglichkeit auch. So ein professioneller Rat ist Gold wert!"

In die Wiege gelegt bekam Eleftheria Agorastou die Unternehmereigenschaft nämlich nicht. Beide Eltern – griechische Einwanderer der ersten Generation – haben zeitlebens als Angestellte gearbeitet. Für den Gestaltungswillen allerdings gibt es durchaus familiäre Vorbilder: In den 70er Jahren betrieb Frau Agorastous Vater in Hannover ein griechisches Kino: Immer sonntags wurde ein Kinosaal in der Innenstadt angemietet, dort zeigte er dann griechische Filme im Original, und die hannoverschen Hellenen kamen in Scharen.

Überhaupt, Griechenland: Obwohl sie sich als "Hannoveranerin durch und durch" bezeichnet, sind doch die mediterranen Wurzeln ein starker Antrieb: "Meinen Mut, so eine Selbstständigkeit zu starten, verdanke ich meiner griechischen Herkunft. Das Temperament kommt immer wieder durch." Und so treibt auch die Sehnsucht nach der Heimat ihrer Eltern Eleftheria Agorastou zum Erfolg: "Ich bin ja nicht mehr blutjung. Wenn ich also im Alter mehr Zeit in Griechenland verbringen will, dann muss ich mich jetzt anstrengen", kokettiert sie. Die Anstrengung sieht man ihr so wenig an wie das Alter. Das muss daran liegen, dass sie liebt, was sie tut: "Ich bin angekommen und habe meine Bestimmung gefunden."

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